Warum Zeulenroda für den Notfall nicht abgesichert ist
Zeulenroda-Triebes. Der Stadtrat von Zeulenroda-Triebes lehnte Mitte 2025 die Anschaffung eines Notstromaggregates ab.
Zeulenrodas Stadtbrandmeister erklärt hier, warum diese Entscheidung nicht klug war.
Stadtbrandmeister Steffen Jubold zeigt die festverbaute Notstromanlage am Standort der Freiwilligen Feuerwehr Zeulenroda. Eine Versorgung anderer Stadtteile mit Energie ist damit unmöglich.
Wenn Teile der Stadt Zeulenroda-Triebes ein ähnlicher Stromausfall, wie im Berliner Süden Anfang Januar ereilen sollte, dann wird es eng für die Bürger, so die klare Aussage von Steffen Jubold, Stadtbrandmeister in Zeulenroda-Triebes.
Der Grund: Im Jahr 2025 hatten die Stadträte darüber zu entscheiden, ob ein 120.000 Euro teurer mobiler Stromgenerator angeschafft wird. Damals entschieden sich die Parlamentarier mehrheitlich dagegen. Sie waren der Meinung, dass wenn ein Stromausfall die Stadt ereilt, die vorhandenen Mittel der Feuerwehr für den schnellen Einsatz ausreichen würden, und wenn ein längerfristiges Szenario auftrete, dann müsse Hilfe eben von außen kommen.
Steffen Jubold, der damals schon die Anschaffung als zwingend erachtete, ist heute – nach dem Ereignis in Berlin, wo 45.000 Haushalte und über 2200 Betriebe im Südwesten der Hauptstadt drei bis fünf Tage ohne Strom und Heizung auskommen mussten – mehr denn je von der Notwendigkeit überzeugt.
Flächendeckender Stromausfall speziell in der Kernstadt: Feuerwehr bliebe arbeitsfähig!
Natürlich verfügt der Standort der Feuerwehr Zeulenroda im Meistersweg über eine Ersatzstromanlage, diese ist aber fest verbaut und würde automatisch anspringen, sobald der Strom ausfällt, und dient der Aufrechterhaltung der Arbeitsbereitschaft der Feuerwehr. Das bedeutet, dass die Anlage darauf ausgerichtet ist, alle elektrischen Einbauten der Feuerwehr aufrechtzuerhalten. Dazu gehört auch die Absicherung der Leitstelle. Zudem soll die Leitstelle bei Großschadenslagen als Arbeitsgrundlage für den Bürgermeister und alle anderen relevanten Abteilungen dienen, erklärt der Stadtbrandmeister.
Abgelehntes Stromaggregat sollte mobile Insellösung für ganz Zeulenroda-Triebes sein:
Mit der Anschaffung eines Stromaggregates auf einem Anhänger sollte eine Insellösung geschaffen werden, zur Absicherung der Bevölkerung in Notfällen. Schließlich würden bei einem größeren Stromausfall auch Handy- und Telefonnetz nicht mehr funktionieren. So habe der Bürger nicht mehr die Möglichkeit, dringende medizinische Hilfe oder jegliche andere Hilfe anzufordern. Als zentraler Anlaufpunkt wurde schon zu Zeiten der Pandemie die Jahn-Turnhalle in Zeulenroda-Triebes auserkoren. Schließlich sei das Objekt Jahn-Turnhalle schon so weit ertüchtigt, dass hier Strom von außen mittels Stromgenerator eingespeist werden kann, so Jubold.
Der angedachte Stromgenerator habe einen Lichtmast, zum Ausleuchten des Vorplatzes, optional auch für den Rettungsdienst, und hätte es ermöglicht, in diesem Objekt etwa Babynahrung zu erwärmen und medizinische oder anderweitige Hilfe zu leisten. Außerdem: Das Kommunizieren sei sonst nur über Funk mit der Leitstelle oder dem Rettungsdienst möglich, erläutert der Stadtbrandmeister. „In Berlin habe man die Möglichkeit von großen Turnhallen gehabt, wo eben auch ältere Menschen versorgt werden oder übernachten konnten“, sagt er.
Stromausfall im Südwesten Berlins:
Zappenduster: Bei einem Vorfall wie zu Beginn des Jahres im Süden Berlins, wo zehntausende Menschen keinen Strom hatten, wäre man auch in Zeulenroda nicht ausreichend ausgestattet, ist Stadtbrandmeister Steffen Jubold alarmiert.
Jubold verweist darauf, dass nicht nur das Großereignis in Berlin, sondern eben auch die Entwicklung der letzten Wochen gezeigt hätten, dass Deutschland infrastrukturell sehr angreifbar ist. Er nennt ein Beispiel aus Halle in der letzten Woche. Hier hätten sämtliche Sirenen ausgelöst und es wäre die Durchsage gekommen, dass die Bürger Ruhe bewahren sollen. Am Ende hätte sich herausgestellt, dass es ein Cyberangriff war.
Mobiles Stromaggregat half auch bei der Versorgung von Verletzten in Schleiz:
Und Steffen Jubold erwähnt auch den schweren Verkehrsunfall an der Autobahnauffahrt Schleiz, wo Massen an Verletzten medizinischer Hilfe bedurften und die Zelte der Rettungsdienste für die Verletzten nur mithilfe eines solchen mobilen Stromaggregates ausgeleuchtet werden konnten.
Der Beschluss zum Kauf eines solchen Stromgenerators für Zeulenroda-Triebes war als Insellösung, als Hilfestellung für den Bürger gedacht gewesen, so der Zeulenrodaer Stadtbrandmeister. Natürlich verfüge die Feuerwehr Zeulenroda über kleinere Notstromaggregate. Doch würden diese nur mit Unterstützung eines jeweiligen Feuerwehrfahrzeuges funktionieren. Dieses Fahrzeug wäre dann an diesem Ort gebunden und könnte zu keinem anderweitigen Einsatz ausrücken, erläutert Jubold. Der angedachte Stromgenerator, für den die Stadträte Mitte vergangenen Jahres die Beschlussvorlage ablehnten, war eine Anhängerlösung, die autark arbeitet und an jedem Ort aufgestellt hätte werden können.
Das Credo des Zeulenrodaer Stadtbrandmeisters Jubold klingt somit ernüchternd: „Als Feuerwehr sehe ich ein Problem auf uns zukommen. Wir sind definitiv für einen solchen Katastrophenfall nicht vorbereitet.“
22.01.2026 / © Heidi Henze — in Zeulenroda-Triebes.